Deutsche geben immer mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus
Ob Dioxin oder EHEC: Die Lebensmittel- skandale der vergangenen Jahre haben der Bio-Branche einen gewaltigen Schub verpasst. Die Nachfrage nach ökologisch poduzierten Lebensmitteln wächst immer stärker, die Händler können dieser aber kaum noch nachkommen. Wie die Bio- Branche anlässlich der heute in Nürnberg startenden Messe Biofach mitteilte, ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln 2011 um neun Prozent gewachsen. In den beiden Jahren zuvor waren es nur jeweils zwei Prozent. Besonders der Dioxin-Skandal im Frühjahr 2011 und die EHEC-Krise im Sommer des vergangenen Jahres haben einen wahren Run auf Bio-Lebensmittel ausgelöst. Während des Dioxin-Skandals waren z.B. deutschlandweit kaum noch Bio-Eier im Handel zu bekommen.
Ungebrochen ist der Trend, zu regionalen Produkten zu greifen: Die Bio- Direktvermarkter und Bio-Händler auf Wochenmärkten konnten ihren Umsatz zuletzt um 36 Prozent steigern. Den Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stieg der Umsatz mit den biologisch erzeugten Lebensmitteln von rund sechs Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 6,59 Milliarden im Jahr 2011. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt liegt nun bei 3,7 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich der Anteil der Bio-Lebensmittel somit nahezu verdoppelt.
Die 2.346 Naturkostgeschäfte konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent steigern und kommen nun auf mehr als zwei Milliarden Euro. Die Bio-Sortimente im Lebensmitteleinzelhandel konnten ihren Umsatz um immerhin acht Prozent auf 3,5 Milliarden Euro steigern. Verlierer sind die Discounter, die ihr Bio-Sortiment in den vergangenen Jahren wieder reduziert haben. Während der Absatz der Lebensmittel immer weiter steigt und ein Bio-Supermarkt nach dem anderen eröffnet wird, kommt der Biolandbau kaum noch hinterher.
Im vergangenen Jahr wuchs die Fläche, auf der Bio-Lebensmittel angebaut werden können, um nur 2,3 Prozent auf eine Million Hektar. Insgesamt werden in Deutschland 16,8 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt. Zwar wuchs die Zahl der Bio-Betriebe im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf nun 23.003 Betriebe. Die Versorgungslücke können die hinzugekommenen Bio-Bauern aber wahrscheinlich auch nicht schließen. Mittlerweile kommt ein beachtlicher Anteil der Bio-Lebensmittel aus dem Ausland: Heute kommen etwa 15 Prozent des Getreides, 26 Prozent der Kartoffeln und die Hälfte der Äpfel aus dem Ausland. Die Branche fordert von der Regierung eine bessere Förderung. Man würde 10.000 neue Bio- Betriebe benötigen, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage in Deutschland schließen zu können, heißt es. (ok)




